Aus dem Pfarrhaus Ibach

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Türsteher
Normalerweise kennen wir das Bild nur von den Discos in den Grossstädten:
Ursula Ruhstaller,
Neben dem Eingang steht ein grimmig dreinblickender Türsteher, der darüber entscheidet, wer in den Club hinein darf und wer nicht. Seit einigen Wochen trifft man nun auch bei der Ibächler Kirche auf Türsteher. Die Teilnehmerbeschränkung auf 50 Personen zwingt uns dazu, die Anzahl Gottesdienstbesucher zu überwachen. Leider mussten wir am Sonntagmorgen gelegentlich auch schon Personen nach Hause schicken.

Das Amt des Türstehers ist in der Kirche nicht neu. Die ältesten Zeugnisse über «Ostiarier», wie die Türsteher genannt wurden, reichen zurück bis ins 3. Jahrhundert. Da zu jener Zeit die Christenverfolgung im römischen Reich in vollem Gange war, hatten die Ostiarier eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe. Sie mussten alle Gemeindemitglieder persönlich kennen, damit sich ja kein Fremder oder gar ein römischer Spitzel in die Sonntagsmesse einschleichen konnte. Während der Feier bewachten sie die Türe und schlugen Alarm, wenn sich eine römische Patrouille näherte. Von ihrer Wachsamkeit hing das Überleben der Gemeindemitglieder ab.

Als das Christentum im 4. Jahrhundert unter Kaiser Konstantin dann schliesslich toleriert und im Jahr 393 sogar zur römischen Staatsreligion erhoben wurde, hat das Amt des Türstehers seine Wichtigkeit verloren. Dennoch blieb als «niedere Weihe» auf dem Weg zum Priesteramt bis zur Neuordnung der Weihestufen unter Papst Paul VI. im Jahr 1972 erhalten.

Fast fünfzig Jahre später zwingt uns ein Virus dazu, ein ähnliches Amt wieder einzuführen. In den vergangenen Wochen habe ich den Dienst als Türsteherin öfters übernommen. Es ist eine Aufgabe, die ich – bis auf das Wegschicken – gerne mache. In einer Zeit, in der wir immer noch Distanz halten müssen, finde ich es schön, die Mitfeiernden an der Türe persönlich zu begrüssen und mit dem einen und der anderen noch ein paar Worte wechseln zu können. Ich finde es schön, so wenigstens ein wenig Nähe zu schaffen und zu spüren.

Ich würde mir wünschen, dass das Amt des Türstehers in der Kirche auch in der Zeit nach Corona erhalten bleibt. Jedoch nicht als Bewacher der Tür, der Menschen ausschliesst und wegschickt, sondern genau für das Gegenteil: Als jemand, der die Türen der Kirche weit öffnet und aktiv alle einlädt, teilzunehmen.

Ich wünsche mir eine Kirche, die nicht ausschliesst, sondern willkommen heisst.