Antonia Zehnder - eine Würdigung im Licht des Osterlobs

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In ihrer vielseitigen kirchenmusikalischen Tätigkeit war für Toni die EInheit von Musik und Text ein Herzensanliegen.
Hans Auf der Maur,
In der Liedauswahl war ihr der Bezug zum Volk, zum Kirchenjahr und den liturgischen Ansprüchen gleichermassen wichtig. Das Lied «Du kannst nicht tiefer fallen» war eines ihrer Lieblingslieder – schön, dass dessen Text zum Leitwort ihrer Todesanzeige gewählt wurde. Die Lieder für die Sonntagsgottesdienste haben wir nach Möglichkeit auf Lesung und Evangelium ausgerichtet. In den liturgischen Texten achtete Toni stets auf Echtheit und Verständlichkeit, Langatmigkeit war nicht ihr Ding. Auf Ostern hin wurde einmal eine Textstelle aus dem «Exultet – das Osterlob» für Toni und mich von starker Bedeutung. Es war Toni, die folgende Textstelle hervorhob: «O glückliche Schuld – welch grossen Erlöser hast du gefunden…»

Diese Worte erfüllten uns mit Freude und Dankbarkeit. Toni strahlte, so beeindruckt und angetan war sie vom Osterlob. Die immer wiederkehrende Chance zur Erneuerung und zum Neuanfang ist ein tröstliches und freudiges Kennzeichen unseres christlichen Glaubens. Sie lassen Inhalte wie Busse, Versöhnung, Schuld, Sünde, Verzeihen und Umkehr in einem neuen Licht erscheinen. Es ist das Licht der Barmherzigkeit, das aufrichtet und erhellt. Denn Jesus sagt an anderer Stelle: «Meine Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.»

Was ich von Toni lernen konnte und kann:
Sich auf die Wurzeln besinnen:
Ihre Herkunft mutterseits von den Bissig im Schächental war ihr stets lebendig. Sie pflegte einen regen Kontakt zur Verwandtschaft Bissig, Zehnder und Heimann-Bissig. Die Heimat ihrer geliebten Mamme, war auch ihre Heimat.

Die Geborgenheit einer Familie schätzen:
Selbst ohne eigene Familie, war sie für verwandte Familien das hochgeschätzte Tanti, in Freuden und Sorgen wie eine Mutter präsent. Zu ihrer beruflichen Tätigkeit als Rechnungsführerin in der Messerfabrik, war sie eine willkommene Ratgeberin und Animatorin zum Lesen, Musikmachen und Bergsteigen, manchmal auch eine pastorale Begleiterin.

Im Dienst an den Mitmenschen leben:
Alles, was Toni tat, machte sie mit grosser Hingabe und Treue. Wenn andere schon besetzt waren, war sie über ihr Organistenpensum hinaus immer bereit, zusätzliche Dienste an der Orgel, in den Chören, in der Liturgiegestaltung und im Pfarreileben zu übernehmen. Sie hielt viel von ehrenamtlicher Mitarbeit. Sich vom Wort Gottes befreien lassen: Toni liebte aufbauende und ermunternde Bibeltexte und Gebete. Denn sie war überzeugt, dass christliche Botschaft eine Frohbotschaftist. Bedrückenden Schuldbekenntisformen setzte sie lieber das kurze, einfache «Kyrie eleison – Herr erbarme dich» gegenüber. So, dass wir in den Lobpreis freudig einstimmen können «O glückliche Schuld – welche grossen Erlöser hast du gefunden». Wir sind erlöst von niedermachenden Ängsten und Skrupeln – Deo gratias.

Meine Würdigung verstehe ich als Vermächtnis, auch im Namen unserer Familie. Denn Luise und unsere Söhne und Töchter haben viel Schönes und Gutes von der langjährigen Beziehung zu Toni mitbekommen.