Aus dem Pfarrhaus

Auto <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Nicu&nbsp;Mada)</span><div class='url' style='display:none;'>/pfarrei/ibach/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirchgemeinde-schwyz.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>56</div><div class='bid' style='display:none;'>7419</div><div class='usr' style='display:none;'>67</div>

Frustration in der Coronazeit
Nicu Mada,
«Warum kriegen die Ausländer immer die tieferen Autonummern?» So wurde ich am 1. August schroff und unfreundlich von einer älteren Dame begrüsst, als ich mit der Familie am See parkiert habe. Ich war erstmal sprachlos. Ich bin sicher für vieles verantwortlich, aber für die Autokennzeichen-Vergabe des Kantons sicher nicht. Während ich versuchte die Situation einzuschätzen und ein Gespräch zu suchen, wurde die Frustration der Dame noch grösser. Man könne im eigenen Land nicht mehr leben, das Leben sei zu teuer, sie wolle auswandern, usw. Nach einer kurzen Diskussion wünschten wir uns höflich «ein schönes Fest» und jeder ging seiner Wege. Ich war nachdenklich und frustriert.

Als Seelsorger versuchen wir immer den Menschen zu helfen. Dass allein mein Auto ein Grund für Unzufriedenheit sein kann, machte mich fassungslos. Die Frustration kommt meistens, wenn wir unsere Ziele nicht erreichen können. Dann sind wir hoffnungslos enttäuscht, fühlen uns verletzt, weil bestimmte Wünsche nicht in Erfüllung gehen. Ob wir selber daran schuld sind, ob äussere Umstände die Schwierigkeit versucht haben, spielt nicht so eine grosse Rolle. Denn der Frust lähmt unsere Seele. Dabei reagieren wir verärgert, unzufrieden, unfreundlich und nicht selten agressiv. Sicher sind viele von uns in der Coronakrise besonders gereizt. Frustration kennen wir im Alltag, Beruf, Partnerschaft und sicher auch im religiösen Bereich und wir gehen unterschiedlich damit um. Manchmal benehmen wir uns kindisch, gestresst, verängstlicht, oft bemitleiden wir uns oder werden depressiv. Ab und zu gelingt es uns damit konstruktiv umzugehen. Wenn wir das schaffen, dann fühlen wir uns zufrieden und glücklich. Wir gewinnen neue Energie, neue Kraft für den Alltag. Ein einfaches Rezept dazu gibt es aber nicht. «Wenn das Leben dir Zitronen gibt, mach Limonade daraus» versucht ein bekanntes Sprichwort zu helfen. Oder wie mein Sohn zu sagen pflegt: «Chill dini Base». In der Bibel findet man auch immer wieder Sprüche, die einem Mut machen. «Fürchte dich nicht, denn ich bin bei dir; hab keine Angst, denn ich bin dein Gott. Ich mache dich stark, ich helfe dir, ich schütze dich mit meiner Hand.» (nach Jesaja 41, 10).

So wünschen ich mir und uns allen, ohne wirkliche Sozialprobleme verharmlosen zu wollen, dass wir optimistisch bleiben, Offenheit zeigen und dass wir unseren Glauben und unser Vertrauen, unsere Menschlichkeit nicht verlieren, egal woher man kommt, welche Sprache man spricht oder wieviel Zahlen ein Nummernschild hat.

Nicu Mada
Bereitgestellt: 25.08.2020